Bewährt: Wenn Schüler über Schüler richten

Foto: B. Falkner:Evelyn Zinke, Gründerin des Antigewaltzentrums Harz: „Wir können Wirkung vorweisen ..."Elbingerode (Harz), den 22.12.2009. Das Antigewaltzentrum Harz hilft tatsächlich jungen Tätern ohne Gericht ins normale Leben zurück. Es lässt zugleich die Kompetenz von Schülerrichtern wachsen. Das ergab ein Meinungsaustausch mit der Justizministerin Sachsen-Anhalts in ‍Elbingerode. Ein Pilotprojekt mit der Staatsanwaltschaft soll zu Ende gebracht, und die Erweitung für Wernigerode und den Oberharz geprüft werden. 
Es muss nicht immer gleich das Gericht sein - manchmal hätten vernünftige Gleichaltrige mehr Wirkung zur Besserung jugendlicher Täter als Erwachsene. Und es spare manche Gerichtsverhandlung sowie -kosten.

Nach diesem Motto bemühen sich derzeit 25 Jugendliche und vier Projektleiter aus dem Raum Halberstadt, Elbingerode und Thale im 2004 gegründeten Antigewaltszentrum als Verein um gestrauchelte junge Leute. Seit 2007 läuft ein auf drei Jahre konzipiertes Pilotprojekt für Sachsen-Anhalt in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. Jetzt, nach zwei Jahren, sei schon eine positive Wirkung erkennbar. Das wurde unlängst im Jugendclub Elbingerode deutlich. Landesjustizministerin Angela Kolb (SPD) war mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Ronald Brachmann und der Chefin der SPD ‍Elbingerode/Rübeland/Königshütte, Monika Badstübner, in die Einrichtung gekommen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. 54 Fälle kleinerer Straftaten seien dem Antigewaltzentrum Harz in diesem Jahr zugewiesen worden, berichtet Evelyn Zinke, das sei etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr: „Und wir können Wirkung vorweisen", so Zinke weiter. Die Elbingeröderin gehört mit Stefan Rumstedt (Braunschweig), Stefan Wonner (Quedlinburg) und Torsten Schunk (Wernigerode) zum Projektleiterteam, das 25 Schülerrichter ausbildet. Diese arbeiten mit den Tätern angepasste Strafen für diese aus,   die dann von der Staatsanwaltschaft abgesegnet werden oder nicht. Meist gehe es um Ladendiebstahl oder Körperverletzung, hieß es. Manch Täter müsse gemeinnützig arbeiten, für andere sei das Sprechen über seine Tat schon der beste Auftakt zu Besserung. Für einen war es schon das Schlimmste, alles aufschreiben zu müssen, was er getan hat und wie er darüber denkt, heißt es in einem Dankesbrief an das Antigewaltzentrum.

„Wir haben insgesamt ein positives Feedback", schätzt Rumstedt ein. Das Rechtsbewusstsein entwickle sich bei den Tätern, aber auch bei den Schülerrichtern. „Das Interesse von Schülern an dieser Arbeit wächst, auch die Bereitschaft, Verantwortung auf sich zu nehmen", berichtet Daniel Günzke. Der Gymnasiast aus Thale ist selbst Schülerrichter. „Man kann einen Zuwachs an Kompetenz bei unseren Mitgliedern bemerken", bekräftigt Wonner, und was die jungen Leute vor und hinter dem Richtertisch lernten, das sei gut fürs ganze spätere Leben.
„Ich sehe, das Geld ist hier in guten Händen", sagt Ministerin Kolb mit Blick auf die Unterstützung des Pilotprojektes.   Der in ‍Elbingerode vermittelte positive Sachstand decke sich mit ihren Informationen. „Nun müssen wir prüfen, wie das Projekt erweitert werden kann", so Angela Kolb. Die Fakten würden jetzt aufbereitet, verspricht Brachmann, um sie in der Haushaltsdebatte mit einzubringen. Absehbar sei, dass das Pilotprojekt wegen seiner guten Wirkung bis 2010 zu Ende geführt werden soll. Eine Erweiterung auf den Raum Wernigerode wäre gut. In Magdeburg sei nun zu prüfen, ob dafür Geld da ist.

Bild: Evelyn Zinke, Gründerin des Antigewaltzentrums Harz: „Wir können Wirkung vorweisen ..." Foto: B. Falkner

Von Burkhard Falkner, Volksstimme Wernigerode, 22.12.2009

 
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